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Backpacking Thailand Teil 1: Transport

Ganz schön weit weg, dieses Thailand.

This is the German version I wrote for my German speaking friends, for English click here.

Wer von euch mir auf Instagram oder Facebook folgt wird es mitbekommen haben, ich habe die letzten Wochen in Thailand verbracht. Auf Nachfrage meiner Realwelt-Freunde werde ich hier meine Reiseerfahrungen mit euch teilen. Wer lieber nur was über veganes Futter lesen möchte, kann diesen Artikel getrost überlesen. :)

Backpacking Thailand Teil 1: Transport  

Einmal in Thailand im Tuk Tuk fahren! Welch grandiose Reiseerfahrung denke ich mir, als ich am letzten Abend des Jahres 2014 mit meinen neuen australischen Freunden in eines einsteige. Ich hatte zugegeben bereits drei bis drölf Singha-Bier intus, sonst hätte ich mich eventuell nach Anschnallern oder einer Rückenlehne gesehnt. Aber an der Decke des Gefährts war ja eine Haltestange befestigt, es war vollbeleuchtet und mit Diskomusik ausgestattet… Also alles da! Durch die warme Nachtluft brausten wir entlang der Hügel Phukets von Kata Beach nach Patong Beach und es war tatsächlich eine sehr lebendige und aufregende Erfahrung für mich.

Disco Disco Party Party

Disco Disco Party Party mit Mariella, Ash und Tiff. Niemand ist betrunken.

Neben den Tuk Tuks sind Minivans das gängigste Transportmittel in Thailand. In diesen Kleinbussen trifft man viele Gleichgesinnte, sprich Touristen mit großer Panik, nicht dort anzukommen, wo sie hinwollen.

Von Außen sind sie fast alle weiß oder silber aber manchmal landet man auch hier in der Diskoversion eines Minivans. Zu erkennen an aufwendiger Deckendekoration a la „Pimp my ride“ und Lichtshow an den Lautsprechern. In den Minivans ist es zwischen +10 und -10 Grad kalt und man muss sich auch hier um das Anschnallen keine Gedanken machen.

You’ve got to piiiimp my riiiiiide! Ich hoffe, ihr habt den Song und das breite Grinsen von Xzibit jetzt im Kopf.

Egal ob Diskovan oder nicht, es empfiehlt sich IMMER den Fahrer zu fragen, ob er Musik anmachen kann. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wird auch euer Fahrer die Taxi Hits for White People-CD eingelegt haben, wie meine Freunde und ich diese Compilations getauft haben. Es handelt sich hierbei um stark basslastige, hochfrequente Technoversionen englischer Popsongs, ein Erlebnis für die Ohren. Ihr braucht nicht fragen, ob der Fahrer die Musik lauter machen kann, er wird sie bereits auf höchster Stufe für euch abspielen. Als wir auf Koh Samui in einem Disko-Taxi mit Stroboskop gelandet sind, war ich mir eines Hörsturzes sicher und fand mich bereits damit ab, dass ich bis zum Fahrtziel erblinden würde. Der Moment in dem man merkt, dass man keine 19 mehr ist…

Generell gilt es für jede Form von Transport in Thailand, Zeit mitzubringen. Es hat fast etwas Buddhistisches! Denn wie sagte der weise Buddha einst: wenn du gehst, dann gehe. Wenn du stehst, dann stehe. Will heißen: wenn du in Thailand von a nach b willst, nimm dir einfach nichts anderes an dem Tag vor.

Man bekommt auf Nachfrage zwar Zeitangaben, wie lange eine Fahrt dauern wird, oder wie weit ein Ziel in Kilometern entfernt ist, diese Angaben sind jedoch definitiv ohne Gewähr. Die Fahrt von Phuket Flughafen nach Kata Beach sollte 45 Minuten dauern, 2.5 Stunden später war ich dort. Ein anderes Mal wurde mir von einer Fahrtstrecke mit „Very far! 5 kilometres!“ abgeraten.

An schlecht getimeten Ampelphasen können die erheblichen Verzögerungen nicht liegen, denn Ampeln gibt es so gut wie keine. Sollte man doch mal einer begegnen so ist ihre Anzeige lediglich als Empfehlung zu betrachten. Ich sehe vielmehr drei Faktoren für die Verspätungen verantwortlich:

  1. absolut verrückte Roller- und Autofahrer sowie Fußgänger und Tiere auf den Straßen,
  2. sämtliche Autofahrten werden ausschließlich im 2. und 4. Gang gefahren,
  3. es werden die wildesten Zwischenstopps eingelegt.

Normal sind Zwischenstopps in Reisebüros oder Hinterhof-Küchen von Bekannten der Fahrer, wo man gegebenenfalls noch einmal umsortiert, zu einer Hotelbuchung oder zu einem Snack überredet wird. Man weiß ja nie, wie lange die Fahrt im Endeffekt dauern wird, daher empfiehlt es sich, vorausschauend etwas in dem/der Reisebüro-Küche-Lager-Autofriedhof-Minimarkt-Benzinverkauf-Rollerverleih-Wäscheservice zu essen. Hier Impressionen dieser Multifunktions-Stopps:

Hinterm Tresen wohnt die Familie und kocht für Durchreisende, links organisiert Vatta die Weiterreise.

DO NOT SAY YOU LOST YOUR TICKET!

Das ist er. DO NOT SAY YOU LOST YOUR TICKET!

Gemütlich...

Gemütlich…

Hier will ich einfach ALLES essen.

Hier will ich einfach ALLES essen.

99 Baht #attemptongursky

Ich nenne es 99 Baht.

Fresh Taste, Clean Food. :D

Clean Food, Good Taste. Adidas.

Der Minivan, der 8-15 Leute einladen kann.

Der Minivan, der 8-15 Leute einladen kann. TÜV und HU bis 2018 Leute, keine Panik!

Zwischenstopp im Nirgendwo. Was wollt ihr machen? Tanken? Wäsche waschen? Sonnenbrillen kaufen? Pad Thai essen? Aufs Klo? Einen Hund adoptieren? Eine Reise buchen? You name it!

Zwischenstopp im Nirgendwo. Was wollt ihr machen? Tanken? Wäsche waschen? Sonnenbrillen kaufen? Pad Thai essen? Aufs Klo? Einen Hund kaufen? Eine Reise buchen? You name it! Ach und: HAPPY NEW YEAR!

Ihr könnt euch sonst auch eben hier wiegen, wenn ihr mögt.

Ihr könnt euch sonst auch eben hier wiegen, wenn ihr mögt.

Ungewöhnlich aber dennoch möglich sind des Weiteren:

  • Zwischenstopps in Souvenirläden, wo sich der Fahrer erst ein paar Socken und etwas weiter dann neue Turnschuhe kauft.
  • Zwischenstopps auf verlassenen, von zerfallenden Bussen, Matsch, Müll und Straßenhunden belagerten Plätzen im Nirgendwo, wo man unter größten Umständen mit dem kompletten Gepäck, dass gerade erst in Bus a gelagert wurde, in Bus b umsteigen soll. Ich war bereit, meinen Reisepass mit meinem Leben zu verteidigen und hatte eine Abschieds-Rund-SMS vorgetippt. :) Nein Spaß, es war stets alles in bester Ordnung.
Selbstverständlich steige ich hier aus und in einen total heruntergerockten Bus zur Weiterfahrt ins Ungewisse um!

Selbstverständlich steige ich hier aus und in einen total heruntergerockten Bus zur Weiterfahrt ins Ungewisse um!

Top-Bus. Hauptsache ein Altar ist rechts neben dem TV aufgebaut.

Top-Bus. Hauptsache ein Altar ist rechts neben dem TV aufgebaut.

Tschuldigung, wo genau sind wir hier?

Tschuldigung, wo genau sind wir hier?

  • ein Halt beim Zuhause eines Fahrers, der kurz pinkeln ging und dann seinen angetrunkenen Vater zur Weiterfahrt in einem neuen Wagen abbestellt. Auch eher wenig vertrauenserweckend aber die Insel hatte nur eine Straße, so sehr konnte sich Papa also nicht verfahren.

Mein persönlicher Lieblingszwischenstopp ereignete sich auf Phuket nach bereits vergangenen 14 Stunden Anreise von Koh Panghan (10 Stunden waren angesagt). Die Gruppe im Minivan war schon leicht genervt, weil ein russischer Passagier sich zum Flughafen hat fahren lassen, ohne da eigentlich hinzuwollen und jetzt in ein Hotel gebracht werden wollte, dass erst noch gefunden werden musste. Endlich wurde er in irgendeinem “Shithole” in Flughafennähe abgesetzt, da ging es nach kurzer Zeit wieder auf einen Parkplatz.

Hier teilte der Fahrer uns mit, dass nun noch 3 Passagiere einsteigen müssten. Wohin, war allen unklar, da ja nur ein Platz frei war. Zur Überraschung aller standen statt der 3 Personen plötzlich 5 vor unserem Minivan. Doch unser Fahrer wusste die Situation geschickt zu lösen! Erst einmal ließ er alle bereits im Van sitzenden Passagiere ihre Plätze tauschen. Gut, immer noch genauso wenig freie Plätze wie vorher… Bei der Aktion wurde ein junges Paar getrennt und sie beschwerte sich lauthals, durfte sich aber nicht umsetzen. Dann wurden 2 der 5 neuen Passagiere neben den Fahrer auf den einen freien Sitz gepackt. Alle Mitfahrer der zweiten Sitzreihe sollten jetzt eins aufrücken und so wurde Person 3 von 5 untergebracht. Jetzt waren noch 2 russische Mädels in Bikini und Hotpants über. Sie erklärten sich bereit, aufeinander zu sitzen und wurden dann logischerweise zu den bereits zusammengerückten vier Personen in die Reihe gesetzt. Die getrennte Freundin schrie vollends auf und der Franzose, der nun zwischen vier jungen Damen saß, wurde der glücklichste Mann der Welt.

Berühmt-berüchtigt ist das Scooterfahren in Thailand. Überall lassen sich Roller für wenig Geld ausleihen. Ihr werdet nicht nach einem Führerschein gefragt und der Helm wird euch nicht passen. Also lasst ihr ihn wie alle anderen ganz weg und gebt euch dem Abenteuer Linksverkehr hin. Ich hatte etwas Schiss vorm Rollerfahren und war glücklich, meine komplette Reise ohne Rollerfahrt (und damit verbundene Knochenbrüche) überstanden zu haben. Doch in Thailand weiß man eigentlich nie, was als nächstes passiert. So sollte es geschehen, dass ich mit einer simplen Frage in einen Tattooshop ging und wenige Minuten später beim Tätowierer auf dem Sozius saß, der mich zu seinem Kollegen fuhr. Abends sollte ich mich dann mit dem Roller meiner Freundin in Zeitlupe zerlegen und mir das linke Knie aufhauen. Das war kurz bevor ich noch eben Jetski fuhr und in einer Reggae-Bar einen Welpen geschenkt bekam. Normales Feiern. Aber ich schweife vom Thema ab…

Zum Abschluss noch eine Anleitung zum Reisen innerhalb Thailands:

Geht die Straße herunter (egal, welche Straße…wo auch immer ihr eben gerade steht) zu einem Reisebüro. Ich kann nur für die Orte in Südthailand sprechen, die ich besucht habe und dort gab es sie überall! Zu erkennen sind die Reisebüros an bunten Schildern mit Schiffen/Rollern oder Ausflugszielen drauf und einem Zusatzangebot aka. zweites Standbein des Besitzers wie etwa Wäscheservice, Flip Flop-Verkauf oder Elektroladen. Dort wird euch dann je nach Reiseziel eine Route empfohlen und ihr bekommt einen handgeschriebenen Zettel und das Versprechen, dass man euch an eurem Reisetag am Hotel abholt, mit. Ich habe mich jedes Mal wie ein Kind gefreut, wenn mich tatsächlich wie abgemacht jemand abholte und absetzte, wo ich hinmusste.

Reisebürobesitzerin "Anne" trug ein Namensschild, auf dem "Chicken" stand. Werde ich jemals herausfinden, wie sie wirklich hieß?

Reisebürobesitzerin “Anne” trug ein Namensschild, auf dem “Chicken” stand. Werde ich jemals herausfinden, wie sie wirklich hieß?

Wollt ihr nun wie ich unglaubliche 14 Stunden von Koh Panghan nach Kata Beach auf Phuket reisen, geht ihr zunächst mit dem Zettel aus dem Reisebüro am Hafen zum Check-In und bekommt dort ein Ticket und einen farbigen Sticker, auf dem euer Reiseziel steht. Diesen klebt ihr euch auf euer T-Shirt und von da an werdet ihr so lange von Fähren in Busse und Minivans bewegt, bis ihr an eurem Ziel ankommt. Und dort feiert ihr das Leben, denn ihr seid gerade 10.000 km von Zuhause entfernt, ohne Kenntnisse der Landessprache mit etwa sechs verschiedenen Transportmitteln, die so in Deutschland niemals für den Verkehr zugelassen worden wären und minimaler Beinfreiheit an eurem Traumstrand angekommen.

Zum Beispiel diesem hier: Kata Beach auf Phuket.

Zum Beispiel diesem hier: Kata Beach auf Phuket.

Eines muss ich aber frei von Ironie feststellen: Was das Bewegen von Touristenmassen angeht, sind die Thais Profis! Man weiß nicht, wann man wo ankommt aber am Ende kommt man garantiert da an, wo man hinwill! :) Auf die Einfachheit und die damit verbundene Leichtigkeit Thailands muss man sich vielleicht erst einmal einlassen aber für mich waren diese Reiseerfahrungen wichtige Lektionen in Bezug auf Vertrauen und Zuverlässigkeit sowie Wertschätzung für den Luxus in Transport und Verkehr in Deutschland.

Auto bin ich übrigens auch gefahren und das hier ist der Beweis. Wen es interessiert, ich bin auf der Fahrt zehn Jahre gealtert und habe ca. drei Liter Schweiß abgesondert.

Links ist der Scheibenwischer, nicht der Blinker, Donata!

Links ist der Scheibenwischer, nicht der Blinker, Donata!

In meinem nächsten Teil erzähle ich euch dann von den Orten und konkreten Hostels/Hotels, die ich besucht habe. Wenn ihr mögt… :)

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